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In dieser Rubrik erfahren Sie immer wieder Neuigkeiten zum Projekt.

News 2 / 2017

Erste Evaluation von “Demonstratoren”— die Pyramide

Ort der Evaluation: Praxispartner Freiburg

Heute berichten wir über eine weitere ersterprobte technische Lösung: die Pyramide. Mittels eines integrierten Bildschirmes werden Bilder gezeigt und passende Geräusche abgespielt. Wird z.B. ein Bild des Freiburger Münsters gezeigt, hört man zusätzlich das Läuten der Glocken. Über die Spitze der Pyramide lässt sich durch Drehen die Kategorie ändern (Natur, Beruf, Heimat etc.).

Im St. Marienhaus in Freiburg wird eine teilnehmende Beobachtung und filmische Dokumentation zur Anwendung der Pyramide durchgeführt, analysiert und reflektiert. Der Einsatz der Pyramide erfolgt in von Betreuungskräften moderierten Gruppenangeboten und Einzelinterventionen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Die BewohnerInnen sind teilweise in der Lage sich verbal auszudrücken, einige sind in ihrer demenziellen Erkrankung soweit fortgeschritten, dass sie ausschließlich nonverbal kommunizieren.

Positive verbale und nonverbale Reaktionen

Die verbale Reaktion reicht von einem simplen „Ja“ bis hin zu ausführlichen Erzählungen und Assoziationen. Nonverbale Reaktionen zeigen sich durch häufiges Lächeln und ein deutlich erhöhtes Aufmerksamkeitsniveau während der Interaktion mit der Pyramide. Beispielsweise wird die Pyramide mit den Augen fixiert. Häufig wechseln die Blicke zwischen Pyramide und Mitarbeiterin. Wird die Pyramide von BewohnerIn zu BewohnerIn weitergereicht, folgen ihr oftmals die Blicke. Die Körperhaltung der BewohnerInnen reicht von einer zurückgelehnten Körperposition bis hin zu einer Interesse signalisierenden, vorgebeugten Körperhaltung. Auch die Gestik der BewohnerInnen lässt Interesse erkennen: Die BewohnerInnen ziehen die Pyramide zu sich heran und berühren den Bildschirm.

„Herzensöffnerthemen“

Erprobt werden verschiedene generische, teilweise die Umgebung und Kultur Freiburgs thematisierende, Kategorien wie Freiburg, Frühling, Reisen, Hafen, Schwarzwald, Tiere, Wanderorte und Garten. Einige Themen stellen sich als Herzensöffner heraus. Unter „Herzenöffnern“ werden Themen verstanden, welche für die BewohnerInnen bedeutsam sind, positive Reaktionen hervorrufen und/oder zu Assoziationen und Erzählungen animieren. Bei nonverbal und verbal kommunizierenden BewohnerInnen erfolgt ein positiver Zugang mit „Tieren“. Die BewohnerInnen freuen sich, erkennen und benennen diese. Besonders intensive Assoziationen und Erlebnisberichte werden durch Urlaubsbilder, Bilder von Meer, Strand, Wohnwägen aber auch Bergen erzeugt. Die Bilder müssen jedoch nicht unbedingt zu den Erinnerungen passen. So genügt beispielsweise ein See, um sich an Campingurlaube am Meer zu erinnern.

Insbesondere verbal kommunizierende BewohnerInnen freuen sich über Bilder und Geräusche aus Freiburg und werden in vergangene Zeiten zurückversetzt. Es entwickeln sich wiederholt angeregte, themenbezogene Gruppengespräche.

Das Moment der Selbstwirksamkeit

Selbstständig wird die Pyramide nur selten gedreht. Die BewohnerInnen können sich hier jedoch als selbstwirksam erleben, wenn ihnen die Drehung der Pyramide wiederholt gezeigt wird. Dann gelingt die Bedienung auch selbstständig. Werden BewohnerInnen angeregt emotional von vergangenen Erlebnissen oder Assoziationen zu berichten, fällt ihnen die selbstständige Drehung der Pyramide auffallend schwerer, als bei Bildern oder Geräuschen, welche emotional weniger stark „triggern“!

Wesentliche Bedeutung der Begleitung

Zentrale Voraussetzung einer gelingenden Interaktion mit der Pyramide ist eine intensive Begleitung und Anleitung der Mitarbeiterin. Diese hat das Ziel, positive Momente und Gefühle bei den BewohnerInnen zu erzeugen und beschränkt sich nicht auf rein kognitive Inhalte. Geäußerte Gefühle, Assoziationen und Erinnerungen werden von der Mitarbeiterin gespiegelt und thematisiert. Die Pyramide wird den BewohnerInnen „begreifbar“ gemacht, indem ihre Bedienung bei Bedarf wiederholt vorgeführt und angeleitet wird.

Erstes „Fazit“ und Weiterentwicklung

Alle MitarbeiterInnen der Betreuung möchten gerne weiterhin mit der Pyramide arbeiten. Insbesondere für die Einzelbetreuung ist sie, nach Einschätzung der Mitarbeiterinnen, sehr gut geeignet. Obwohl auch in der Gruppe positive Effekte wie Gruppengespräche beschrieben werden, schätzen die MitarbeiterInnen die Pyramide als für die Gruppenbetreuung eher ungeeignet ein. Dies liegt insbesondere an der Größe der Pyramide. Die Bilder sind für eine BewohnerIn gut zu erkennen. Je nach Blickwinkel zeigte das Display jedoch deutliche und störende Spiegelungen. Das Gewicht wird zumeist als angemessen, teilweise als etwas zu schwer bewertet. Weiterentwicklungsbedarf zeigt sich auch in der Regelung der Lautstärke. Diese soll künftig direkt an der Pyramide verstellbar sein (und nicht wie bislang extern mittels einer App). Die Geräusche der Pyramide sollen solange zu hören sein, wie das passende Motiv zu sehen ist. Besonders bei den Tierstimmen gibt es viele deutliche und positive Reaktionen. Hier ist es notwendig, dass die BewohnerInnen das Geräusch mehrmals hören können. Toll wäre die Möglichkeit einer individuellen, personenbezogenen Zusammenstellung der Inhalte.

Autor: RB

News 1 / 2017

Erste Evaluation von “Demonstratoren”— die Interaktive Monitorwand

Die interaktive Monitorwand wurde im Rahmen einer ersten Evaluationsphase in beiden Praxiseinrichtungen mit Blick auf die Eignung der zugrunde liegenden Technik/Usability erstmals getestet und wird seither weiter optimiert und entwickelt. Erstausgewertet wurden Usability wie auch feststellbare Wirkungen auf die Teilnehmer/innen mittels teilnehmender Beobachtung plus Filmaufzeichnungen.

Erprobt wurden zwei unterschiedliche Angebotstypen: zum einen interaktive Angebote, – hier zunächst vor allem ein großformatiges Aquarium – sowie Mitmach-Angebote in Form von Ratespielen (bildlich dargestellten Sprichwörtern) und mehrere Varianten von Memory-Spielen. Der zweite Angebotstyp baut auf zuvor vom Projekt identifizierten Lebensthemen der Bewohnerinnen und Bewohner auf.

Reminiszenz-orientierte (filmisch-episodische) Komponenten

Eine Reihe der für die einbezogenen Bewohner ermittelten Lebensthemen kamen im Rahmen einer thematischen Erinnerungseinheit zum Thema „Winter“ in den bereitgestellten heterogenen audio-visuellen Komponenten zum Einsatz. Ein Teil der ausgewählten Einzelangebote basiert auf einem erzählend-darstellenden, dem Gestus des Fernsehens folgenden Stil. Daneben haben wir auch stärker auf lyrisch-poetische Qualitäten (z.B. ein Gedicht) setzende und mit unterschiedlichen visuellen Stilen arbeitende wie auch musikalisch ausgerichtete Kurzangebote erprobt. Kennzeichnend für diesen Angebotstyp: die ausgewählten Komponenten sind in punkto Länge, Umfang und Machart sowie thematisch auf die Besonderheiten der Nutzergruppe (kognitive Einschränkungen, Reizüberflutung, etc.) abgestimmt. Die Auswahl inhaltlicher Komponenten soll im Endausbau der Monitorwand auf die jeweils konkrete Nutzer-/Bewohnergruppe und deren Vorlieben bzw. Lebensthemen abgestimmt erfolgen und situationsabhängig von der das Angebot begleitenden Person ausgewählt werden (keine fixe Anordnung / kein starr ablaufendes „Programm“).

Die Beobachtungen legen einen Zusammenhang zwischen dem insgesamt als hoch einzustufenden Aufmerksamkeitsniveau und den jeweils dargestellten Inhalten und deren subjektiver Bedeutsamkeit nahe. Wo eine persönliche Identifikation mit gezeigten Inhalten zu erkennen war, regte diese die Teilnehmenden zur Kommunikation (untereinander und mit der Begleitperson) an und weckte das Bedürfnis, die aufgerufenen Erinnerungen (mit) zu teilen.

Interaktive Komponenten und das Moment der Selbstwirksamkeit

Die (bewegungsabhängige) Interaktion (insbesondere) mit einem Aquarium mit Tiefseefischen und die so erfahrene Selbstwirksamkeit fand großen Zuspruch. Bestaunt wurden die Möglichkeiten, durch Bewegung oder Berühren der Wand Aktionen auszulösen.

Der Einladung, sich vor die Wand zu wagen und im Geschehen auf der Wand Aktionen auszulösen, kamen jedoch nicht alle Teilnehmenden nach. Ein Großteil zog es vor, das Geschehen aus gebührendem Abstand zu beobachten. Insgesamt weist der erste Testlauf jedoch darauf hin, dass Anwendungen, die zum Mitmachen bzw. zum selbst Handeln einladen (z.B. bildhaft dargestellte Sprichwort-Rätsel) auf hohen Zuspruch stoßen.

Alles in allem legt der erste Evaluationslauf nahe, dass das subjektive Erleben (user-experience), d.h. das Erlebnis selbst und der damit verbundene Spaßfaktor, bei technisch gestützten Betreuungsinterventionen nicht zu kurz kommen dürfen. Spaß und Freude zeigten sich vor allem in Form von Lachen, Mitsingen oder in einer gesteigerten Kommunikationsbereitschaft.

Wesentliche Bedeutung/Rolle der Begleitperson

Zugewandtheit und Lotsenkompetenz der Begleitperson deuten sich als ein wesentliches, wenn nicht entscheidendes Kriterium für den Erfolg einer Erinnerungs-Intervention an. Während der Aktivierung kann die Begleitperson Ängste im Umgang mit der Technik nehmen, zur Interaktion motivieren und auch immer wieder die Aufmerksamkeit lenken. Dies zeigte sich insbesondere in der direkten Interaktion mit der Wand, da einzelne Teilnehmende trotz des offenbaren Bedürfnisses, aktiv zu werden, nur auf Aufforderung bzw. nach Bestärkung durch die Begleitperson versuchten, mit dem System zu interagieren.

Zwei Nutzergruppen (bzw. zwei unterschiedliche Nutzungen)

Für Menschen mit Demenz scheint im Hinblick auf eine gute Usability der Monitorwand der interaktiven Komponente zentrale Bedeutung zuzukommen. Für die Begleitpersonen spielt aber auch deren konkrete Bedienbarkeit eine wichtige Rolle. Die Programmierung / Gestaltung, so zeigte sich, erfordert große Sorgfalt, um Fehlinteraktionen und somit Frustrationen während der Nutzung zu vermeiden. Eine einfache Bedienbarkeit, welche die Mitarbeiter/Begleitpersonen in ihrer Arbeit unterstützt und einen selbstsicheren Umgang mit der Technik ermöglicht, wurde von diesen als für die Nutzer-/Teilnehmererfahrung entscheidend empfunden.

Erstes „Fazit“

Insgesamt verließen die Teilnehmer die Intervention mit Zufriedenheit über die gemeinsam verbrachte Zeit und äußerten, gerne wiederkommen zu wollen. Teilnehmende mit einer weit fortgeschrittenen Demenz schienen durch die Intervention jedoch nicht angesprochen zu werden.

Derzeit wird an der Weiterentwicklung des Systems sowie der Entwicklung bzw. Zusammenstellung weiterer thematischer Einheiten gearbeitet, die in einer zweiten Evaluationsphase erprobt werden.

Autoren: GK, PM